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Sri Chinmoy Art Deutsch Schriften über die Kunst Fragen und Antworten Pop Art und Spirituelle Kunst

Pop Art und Spirituelle Kunst

Journalist: Haben die Werke des Pop Art-Stils für Ihre Kunst oder, mit anderen Worten, für die spirituelle Kunst irgendeine Relevanz?

Sri Chinmoy: Sie müssen mir verzeihen. Nicht, dass ich die Pop Art nicht wertschätze. Ich bin einfach seit langer, langer Zeit nicht mehr in einem Museum gewesen. Als ich 1964 zum ersten mal nach New York kam, ging ich zur Asia Society, wo die Werke einiger ostasiatischer Künstler ausgestellt waren. Danach habe ich noch einige andere Museen besichtigt, aber ich konnte nicht verstehen, was ich dort sah. Natürlich ist Kunst nicht zum Verstehen da, sondern zum Erfühlen. Ich sage lediglich, dass es so fremd für mich war, dass ich es nicht wertschätzen konnte. Ich kritisiere oder verurteile es in keiner Weise.

Ich hätte nie gedacht, dass Gott einen Künstler aus mir machen würde. Durch Gottes Gnade habe ich in meinem Leben eine ganze Reihe von Dingen getan. Ich spiele eine Menge Musikinstrumente, aber es gibt niemanden, der mir das beibringt. Meine Philosphie wird an einigen Universitäten unterrichtet und viele Leute lesen meine Bücher, und das, obwohl ich nicht einmal die Oberschule beendet habe. Ich habe mich in der Schule ein wenig mit Kunst beschäftigt, ungefähr 1944, aber ich hatte nie wirklich Unterricht.

Alles was ich tue ist einzig und allein das Ergebnis von Gottes Gnade. Aus Seiner unendlichen Barmherzigkeit heraus segnet er mich mit Inspiration. Seine Inspiration hilft mir ständig und leitet mich ständig in meiner Malerei und in allem anderen. Deshalb war es für mich nicht nötig, die Werke anderer Künstler zu sehen, um selbst zu malen. Nicht, dass ich sie nicht wertschätze, keineswegs. Der Grund ist, dass ich meine ganze Inspiration von Gott erhalte.

Journalist: Das ist wunderbar! Ich glaube nicht, dass sie die brauchen...ganz offensichtlich.

Sri Chinmoy: Wenn ich ein Bild betrachte, so versuche ich seine innere Existenz, die wir die „Seele“ nennen, zu erfühlen. Wenn mir ein Bild eine unmittelbare innere Erregung oder ein Gefühl von Freude gibt, wenn es mein strebendes Herz berührt und mich dazu bringt, ein besserer Mensch werden zu wollen, dann habe ich das Gefühl, dass das Bild für mich von Bedeutung ist. Aber wenn ein bestimmtes Kunstwerk meinem strebenden Herzen keine unmittelbare Inspiration gibt, dann fällt es mir sehr schwer, es zu wertschätzen. Wenn mich ein Bild magnetisch anzieht, dann werde ich eins damit. Aber wenn ich erkenne, dass zwischen dem Bild und meiner eigenen Inspiration oder Strebsamkeit eine große Lücke klafft, dann bin ich nicht in der Lage, mich mit dem Künstler und seinem Bild zu identifizieren und untrennbar damit einszuwerden. Ich verurteile diese Künstler oder ihre Bilder in keiner Weise. Es ist eine Frage meiner Unfähigkeit oder Fähigkeit. Es gibt Millionen von Menschen, die sich sehr wohl an diesen Bildern erfreuen.

Journalist: Das leuchtet mir wirklich ein. Sie haben das gesagt, was ich gehofft hatte, dass Sie es sagen würden, denn meiner Wahrnehmung nach sind Ihre Werke einzigartig und ganz verschieden von anderen Kunstwerken – und das mag ich.

Sri Chinmoy: Alles was ich tue entspringt meinem Leben des Gebets und der Meditation. Ich benutze den Verstand nicht, ich benutze das Herz. Ich versuche aus meinem Herzen ein empfängliches Werkzeug zu machen, damit Gott, der Höchste Künstler, in mir und durch mich malen kann. Ich bin wie ein Kugelschreiber: jemand benutzt mich um etwas zu schreiben. Jemand handelt in mir und durch mich. Ich versuche nur, durch mein Gebet und meine Meditation für Gottes von oben herabkommende Gnade empfänglich zu sein. Wenn uns jemand ein Geschenk macht, nehmen wir es mit riesiger Dankbarkeit entgegen. Ebenso versorgt mich Gott mit Inspiration und Strebsamkeit, und ich bin Ihm dafür äußerst, äußerst dankbar. Ich weiß, dass ich ohne Ihn nichts kann und nichts bin.

Journalist: Ich kann mir keinen besseren Grund vorstellen, um künstlerisch tätig zu sein. Ich bin sehr glücklich über diese Antwort. Ich stehe staunend vor Ihrem Werk! Vielen Dank.

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