Vorträge zum Thema Kunst
- Vortrag an der University of Washington zum Thema Kunst
- Vortrag zum Thema Schönheit
- Vortrag zum Thema Vorstellungskraft und Kreativität
Strebsamkeit, visionäre Schau, Schnelligkeit und Stärke
Sri Chinmoy hielt die folgende Rede am 19.August 1978 in der Jharna-Kala-Ausstellung in der Grand Central Station New York City, nachdem ihn zahlreiche Schüler und Bewunderer in einer Parade entlang der Madison Avenue geehrt hatten.
Die Schöpfung nahm ihren Anfang im Bewusstsein. Gott war allein. Nach einiger Zeit jedoch fühlte sich Gott einsam, genau wie wir. Er brauchte Freunde. Also erschuf er zwei Freunde, um mit ihnen zu spielen, um mit ihnen Spaß zu haben und um sich mit ihnen zu amüsieren. Seine beiden Freunde waren die Strebsamkeit und die visionäre Schau. Doch Gott war mit der Strebsamkeit und der Schau nicht ganz zufrieden. Um allezeit glücklich sein zu können, wünschte Er sich zwei weitere Freunde. Strebsamkeit und Schau waren zweifellos hervorragende Freunde, aber sie genügten Ihm nicht. Er brauchte noch zwei Freunde. Also erschuf Er zwei weitere Freunde: die Schnelligkeit und die Stärke. Die Schnelligkeit sprach zum Höchsten Herrn: „Ich möchte Dir gefallen, indem ich Deine Schöpfung im Handumdrehen bis in jeden Winkel durchreise. Und während ich Deine Schöpfung durchreise, werde ich allüberall Dein Licht verbreiten.“
Die Stärke sprach zum Höchsten Herrn: „Ich möchte Dir gefallen, indem ich Dich manifestiere wo immer ich Dich sehe und wo immer ich Dich fühle.“ Gott sprach zur Stärke: „Gibt es denn einen Ort, an dem du Mich nicht siehst?“ Die Stärke sprach zu Gott: „Ich sehe Dich nicht, wenn ich von mir Gebrauch mache um der Erde zu gefallen, ohne die Zustimmung des Himmels dafür erhalten zu haben.“
Gott sprach zur Stärke: „Du hast vollkommen Recht. Du kannst Mir nur gefallen, wenn die höheren Mächte deinen Handlungen zustimmen. Die höheren Mächte sind Mein Barmherzigkeits-Licht und Mein Fürsorge-Wohlwollen.“ Gottes wichtigste Freunde sind die Strebsamkeit, die visionäre Schau, die Schnelligkeit und die Stärke. Jedes Individuum ist eine winziger Prototyp von Gottes vier allerengsten Freunden. Am heutigen Tag hat unsere Parade nicht nur den New Yorkern, sondern auch der Welt-Atmosphäre und Welt-Schwingung die göttliche Gegenwart von Gottes vier geburt- und todlosen Freunden geschenkt: Strebsamkeit, Schau, Schnelligkeit und Stärke. Wenn einer dieser vier Freunde Euer Freund ist, wenn Ihr von ganzem Herzen und mit Hingabe auch nur mit einem dieser vier Freunde Gottes Freundschaft schließen könnt, dann werdet Ihr einmal in der Lage sein, auch mit den anderen dreien Freundschaft zu schließen. Einige von Euch haben schon eine beachtliche Freundschaft mit Gottes Strebsamkeit und Gottes Schau geschlossen, andere sind in ihrem spirituellen Leben Freunde von Gottes Schnelligkeit geworden. Wieder andere haben Freundschaft mit Gottes Stärke geschlossen. Ich möchte aber, dass jeder von Euch eine immerwährende Freundschaft mit jedem dieser vier Freunde Gottes aufbaut. Nur dann werdet Ihr ein weiterer Freund Gottes, den Gott unablässig und für alle Ewigkeit schätzen und lieben wird. Ihr habt diese Fähigkeit. Ihr habt diese Fähigkeit. Ihr habt diese Fähigkeit. Gott hat Euch bereits die Fähigkeit gegeben, Ihn als den einzigen Freund Eurer eigenen Ewigkeit zu beanspruchen. Versucht es, es wird Euch gelingen. Es wird Euch gelingen, deshalb habt Ihr guten Grund, es zu versuchen.
Frage: Was meinst Du mit visionärer Schau?
Sri Chinmoy: Die visionäre Schau ist die Fähigkeit, das Unbekannte ebenso wie das Unergründbare zu ergründen. Du magst nun fragen: „Wie kann man das Unergründbare ergründen?“ Man kann das Unergründbare leicht ergründen, denn das Unergründbare und das Ergründbare sind nichts anderes als die beiden Seiten der gleichen Medaille. Das Unergründbare ist immer im Verstand, im Getrenntseins-Bewusstsein. Wenn dein Bewusstsein geteilt und von meinem getrennt ist, dann bleiben wir einander nicht nur unbekannt sondern auch unergründbar. Wenn zwischen Deinem Bewusstsein und meinem nur eine kleine Trennung ist, dann sagen wir, mein Bewusstsein sei unbekannt. Doch wenn zwischen Deinem Bewusstsein und einem anderen Bewusstsein eine große Lücke klafft, dann sagen wir, dasjenige sei unergründbar. Die visionäre Schau besitzt die Fähigkeit, zu vereinen oder alles mit einem einzigen Blick zu erfassen. Die Trennung in Unbekanntes und Unergründbares existiert für die Schau also nicht. Die visionäre Schau ist die Fähigkeit, die nicht nur das Unbekannte sondern auch das Unergründbare ergründet. Sie ist auch die Fähigkeit, die die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft kennt. Momentan brauchen wir die Vergangenheit um die Gegenwart zu begreifen und wir brauchen die Gegenwart um die Zukunft zu begreifen. Wir brauchen den Samen um den Baum zu begreifen und den Baum, um die Frucht zu begreifen. Wir brauchen dann wieder die Frucht, um den Samen zu begreifen, da der Same aus der Frucht kommt. So geht es immer im Kreis. Wir sehen das Leben abschnittsweise: dies ist die Samenform, dies die Baumform und dies die Fruchtform. Solange wir diese Formen nicht jede für sich gesehen haben, verstehen wir sie nicht. Wir glauben ihnen nicht. Die visionäre Schau sieht die Wirklichkeit aber in allen drei Phasen gleichzeitig. Sie sieht den Samen, den Baum und die Frucht gleichzeitig. Wenn wir unsere visionäre Schau benutzen, verstehen wir unsere Fähigkeit nicht und glauben ihr noch nicht einmal. Mit unserer gewöhnlichen Fähigkeit können wir keine drei Dinge auf einmal sehen. Selbst wenn wir drei Finger gleichzeitig sehen, zieht einer der Finger mehr Aufmerksamkeit auf sich. Aber wenn wir die visionäre Schau benutzen, können wir alle Finger gleich gut sehen. Die visionäre Schau ist also die Fähigkeit, das Unbekannte und das Unergründbare zu ergründen, das Viele im Einen und das Eine im Vielen.

